
Kläranlage Böblingen-Sindelfingen – Neubau der biologischen Reinigungsstufe
Ersatz der Tropfkörperanlage durch eine Belebungsanlage
Die Kläranlage Böblingen-Sindelfingen behandelt das Abwasser der vorwiegend im Mischsystem entwässerten Städte Böblingen und Sindelfingen sowie angeschlossener Gewerbe- und Industriebetriebe. Um die Ablaufqualität zu verbessern, baut der Zweckverband Kläranlage Böblingen-Sindelfingen die biologische Reinigungsstufe neu, da die bestehende Tropfkörperanlage die zukünftigen Anforderungen an die Abwasserreinigung nicht erfüllt. Sweco plant die Maßnahme seit 2018 für eine Ausbaugröße von 250.000 Einwohnerwerten und begleitet inzwischen auch die Bauausführung. Derzeit (Stand: Oktober 2026) läuft der erste von drei Bauabschnitten.
Die vorhandenen Tropfkörper werden durch ein vierstraßiges Belebungsbecken mit einem Gesamtvolumen von 37.700 m³ ersetzt und abgerissen. Es werden vier Nachklärbecken mit einem Gesamtvolumen von 53.000 m³ errichtet. Hinzu kommen alle für den Betrieb benötigten Nebenanlagen: eine neue Zulaufleitung (DN 1400, L = 420 m), ein neues Maschinengebäude mit Zulaufpumpwerk, Gebläsestation, Netzersatzanlage und Labor sowie die infrastrukturelle Erschließung. Außerdem wird die Dosierung der Pulveraktivkohleanlage neu gebaut. Alle Bauwerke werden auf Rammpfählen gegründet. Das Maschinengebäude nimmt die Maschinen- und Elektrotechnik auf, zusätzlich entsteht ein Medienkanal.
Neues Zulaufpumpwerk und Rücklaufschlammpumpwerke
Mit der überarbeiteten hydraulischen Gesamtkonzeption wird das bestehende Pumpwerk außer Betrieb genommen. Die neuen Becken wurden so geplant, dass sie deutlich aus dem Gelände herausragen. Daraus ergibt sich der Bau eines neuen Zulaufpumpwerks.
Das Zulaufpumpwerk fördert Zuflüsse zwischen 100 l/s und 2.100 l/s (maximale Mischwassermenge einschließlich 100 l/s Filterrückspülung). Die Förderaufgabe übernehmen insgesamt sechs Kreiselpumpen, von denen je drei für den Trockenwetterzulauf bzw. für den Mischwasserzulauf zuständig sind.
Zusätzlich machen die verfahrenstechnischen Änderungen den Neubau von vier Rücklaufschlammpumpwerken notwendig. Sie fördern jeweils eine Rücklaufschlammmenge von 588 l/s.
Verfahrenstechnische Variantenuntersuchung
Verfahrenstechnische Variantenuntersuchung
Zur Erarbeitung der Vorzugsvariante wurden verschiedene verfahrenstechnische Varianten beleuchtet. Neben einer vorgeschalteten Denitrifikation wurde auch der Bau einer SBR-Anlage (Sequencing Batch Reactor, Belebung im Aufstaubetrieb) sowie der Betrieb mit einer intermittierenden Denitrifikation untersucht.
Neben der Stickstoffelimination wurde die Möglichkeit einer biologischen Phosphorelimination geschaffen. Weiterhin wurden verschiedene Nachklärbeckenkonstruktionen und -anordnungen untersucht.

Umbau bei laufendem Betrieb
Der Umbau der Kläranlage erfolgt in drei Bauabschnitten schrittweise bei laufendem Betrieb, da die Reinigungsleistung der Kläranlage zu jeder Zeit aufrechterhalten bleiben muss. Zum Nachweis der Reinigungsleistung während der Umbauzeit und im Endzustand wurden Simulationen durchgeführt. Auch die Variantenuntersuchungen haben wir nicht nur für den Endzustand, sondern für die verschiedenen Ausbauzustände erstellt.
Projektmanagement mit PKS NETPlan®
Für die Projektkommunikation baut Sweco das webbasierte Projektmanagementsystem PKS NETPlan® auf und betreibt es. Dazu gehören die Initialisierung von Projektstruktur und Datenbanksystem, Schulungen sowie die laufende Unterstützung durch erfahrene Projektmanager*innen. Im Einsatz sind die Module Dokumenten-, Plan-, Mängel-, Aufgaben- und Protokollmanagement, Bautagebuch, Fotodokumentation und OCR-Texterkennung, damit die Kommunikation aller Projektbeteiligten transparent und nachvollziehbar bleibt.
Leistungen und technische Daten
Leistungen von der Variantenuntersuchung bis zur Objektbetreuung:
- Verfahrenstechnische Variantenuntersuchungen zur biologischen Abwasserbehandlung (SBR, vorgeschaltete/intermittierende Denitrifikation, biologische Phosphorelimination) für den Endzustand sowie für die verschiedenen Ausbauzustände
- Hydraulische und verfahrenstechnische Dimensionierung der Kläranlage (BelebungsExpert)
- Simulation der Reinigungsleistung während der Umbauzeit und im Endzustand
- Objektplanung Ingenieurbauwerke (§§ 41, 43 HOAI): Lph. 1–9
- Fachplanung Technische Ausrüstung (§§ 53, 55 HOAI): Lph. 1–9
- Tragwerksplanung (§ 51 HOAI): Lph. 1–6 und ingenieurtechnische Kontrolle
- Ausschreibung, Bauleitung und örtliche Bauüberwachung (ÖBÜ)
- 3D- und BIM-Planung, Visualisierung
- Aufbau und Betrieb des Projektmanagementsystems PKS NETPlan® inklusive Schulungen
Technische Daten:
- Ausbaugröße: 250.000 EW
- Mischwasserabfluss: 2.000 l/s
- Belebungsbecken: 37.700 m³, aufgeteilt auf vier Straßen, Abmessungen ca. 124 x 46 m, Beckentiefe 7 m
- Nachklärbecken: vier Becken, Gesamtvolumen 53.000 m³
- Zulaufpumpwerk: Zuflüsse 100 bis 2.100 l/s, sechs Kreiselpumpen
- Rücklaufschlammpumpwerke: vier, je 588 l/s
- Zulaufleitung: DN 1400, L = 420 m
- Maschinengebäude: 30 x 16 m mit Zulaufpumpwerk, Gebläsestation, Netzersatzanlage und Labor; Gründach mit PV-Anlage, PV-Fassade
- Gründung: alle Bauwerke auf Rammpfählen
- Pulveraktivkohle (PAK): Neubau der Dosierung zur Spurenstoffelimination
Beitrag zu Gewässerschutz und Flächenschonung
Die neue biologische Reinigungsstufe trägt zur Verbesserung der Gewässerqualität bei. Die gesamte Erweiterung findet auf dem bestehenden Grundstück der Kläranlage statt, eine großflächige Versiegelung neuer Flächen bleibt damit aus. Das Maschinengebäude erhält eine Photovoltaik-Anlage auf dem Gründach sowie eine Photovoltaik-Fassade.







