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Mariotte-Glockner Haus, Bad Schussenried

12/05/2026

Lesezeit 6min

Janine Tsias

Innenarchitektin

Innenarchitektur in Pflegeeinrichtungen: Funktionale Räume mit Wohlfühlfaktor gestalten

Wie modernes Raumdesign Sicherheit, Orientierung und Lebensqualität im Pflegealltag verbessert

Zum internationalen Tag der Pflege, der jährlich am 12. Mai begangen wird, rücken wir bei Sweco ein oft unterschätztes, aber entscheidendes Thema in den Fokus: die Innenarchitektur in Pflegeeinrichtungen. Dabei geht eine durchdachte Innenarchitektur weit über das Schaffen ästhetisch ansprechender Räume hinaus. Als Innenarchitektin erlebe ich täglich, wie stark sich Räume auf Orientierung, Sicherheit, Emotionen und Selbstständigkeit der Bewohner*innen auswirken können. Gut gestaltete Pflegeeinrichtungen können dazu beitragen, das Wohlbefinden der Bewohner*innen zu fördern und die Arbeitsumgebung für Pflegende zu verbessern.

Gestalterische und bauliche Kriterien für gute Innenarchitektur in Pflegeeinrichtungen

In Pflegeeinrichtungen verbringen viele Menschen ihren Lebensabend. Umso wichtiger ist es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Bewohnenden wohlfühlen und die Geborgenheit und Sicherheit vermittelt. Gefragt ist ein Umfeld, das sich wie ein echtes Zuhause anfühlt und zugleich die Anforderungen an Hygiene und funktionale Abläufe erfüllt. Genau hier setzt die Innenarchitektur an. Unser Ziel ist es, Räume zu schaffen, die Orientierung geben, Ängste reduzieren und Selbstständigkeit erhalten, ohne zu überfordern. Die Leitsätze unserer Planung bei Sweco lauten:

  • Mobilität & persönliche Kompetenzen erhalten
  • Angst nehmen & Vertrauen schaffen
  • Sicherheit und Orientierung geben und es ermöglichen, die Umwelt realistisch wahrzunehmen sowie Umweltreize richtig einzuordnen
  • Erhaltung der Selbstständigkeit & Bewältigung des Alltags
  • sensorische und geistige Anregungen bieten – ohne zu überfordern
  • Privatsphäre wahren und gleichzeitig soziale Interaktion ermöglichen
  • Wohlfühlatmosphäre für Bewohner*innen und Mitarbeitende schaffen

Farbkonzepte in Pflegeheimen: Orientierung, Sicherheit und Wohlbefinden

Farben sind in Pflegeeinrichtungen nicht nur Stilmittel, sondern dienen auch als Orientierungswerkzeug. Bewährt hat sich die sogenannte Helligkeitskaskade: Der Boden ist dabei die dunkelste Fläche im Raum, die Wände sind hell, ruhig und matt gestaltet, die Decke sollte weiß oder sehr hell sein. Als Basisfarbe, also Hauptfarbe der Wandflächen im Raum, sind helle Farbtöne (z.B. Hellbeige oder Pastellgrau) zu wählen, als Akzentfarben können warme Farbtöne genutzt werden. Gut geeignet sind hier Gelbnuancen sowie Braun- und Grüntöne.

Aufbau einer Helligkeitskaskade bei der Farbgebung aller Raumoberflächen, d.h. ein farblicher Kontrast zwischen Boden, Wand und Decke zur optischen Schärfung der Raumkonturen.

Wichtig ist, eine zurückhaltende, sichere Bodengestaltung: Blaue Bodenbeläge sind zu vermeiden, da sie als Wasserfläche interpretiert werden können. Ebenso sollten starke Hell-Dunkel-Kontraste im Boden ausgeschlossen werden, weil sie häufig als Barrieren oder Hindernisse wahrgenommen werden. Glänzende oder spiegelnde Oberflächen sind ebenfalls ungeeignet, da sie irritieren und Unsicherheit erzeugen können. Stattdessen setzen wir auf matte, rutschhemmende Bodenbeläge mit melierten Mustern und geringem Leuchtdichtekontrast.

Materialien, die den Pflegealltag unterstützen

Materialien und Ausstattung müssen den besonderen Anforderungen des Pflegealltags gerecht werden und hygienisch, robust und intuitiv nutzbar sein: Wandfarben sollten antibakteriell, wisch- und kratzfest sowie in matter Ausführung gewählt werden. Möbeloberflächen sollten langlebig, desinfizierbar und für den intensiven Gebrauch ausgelegt sein. Textilien müssen bei mindestens 60 °C waschbar sein und über einen Feuchtschutz verfügen. Ordnung und Übersichtlichkeit haben oberste Priorität, weshalb geschlossene Möbel offenen Regalen vorzuziehen sind. Alle Bedienelemente, Griffe und Schalter sollten farblich kontrastiert gestaltet werden, damit sie auch bei eingeschränkter Wahrnehmung eindeutig erkennbar bleiben.

Beleuchtung im Pflegeheim: Licht als Taktgeber des Tages

Licht beeinflusst Schlaf, Stimmung und Orientierung stärker als jedes andere Gestaltungselement. Unser Anspruch an eine gute Innenarchitektur in Pflegeeinrichtungen ist daher: so viel Tageslicht wie möglich, ergänzt durch intelligente Kunstlichtlösungen.

Moderne Lichtsysteme sollten den natürlichen Tagesverlauf nachbilden, dimmbar und in der Lichtfarbe anpassbar sein, blend- und schattenfrei ausleuchten und gleichzeitig energieeffizient arbeiten. Gerade in Fluren, Aufenthaltsräumen und Patientenzimmern kann gleichmäßiges Licht Ängste reduzieren, während Schatten z. B. häufig fehlinterpretiert werden. Insbesondere im Bodenbereich erscheinen sie für Menschen mit Demenz oft wie Vertiefungen oder Löcher, die sie nicht betreten möchten.

Räume für Begegnung und Rückzug: Aufenthaltsräume und Privatzimmer in Pflegeeinrichtungen

Räume für Begegnung und Rückzug: Aufenthaltsräume und Privatzimmer in Pflegeeinrichtungen

Aufenthaltsräume sind fester Bestandteil jeder Pflegeeinrichtung und prägen den Alltag im Pflegeheim maßgeblich. Eine ruhige, übersichtliche Innenarchitektur mit klar gegliederten Bereichen unterstützt Orientierung, Sicherheit und selbstständige Aktivität. Unterschiedliche Zonen für gemeinsames Essen, Beschäftigung oder Rückzug schaffen Struktur und Flexibilität. Ergänzende Angebote wie Tätigkeitsinseln, gut lesbare Uhren und Kalender oder visuelle Inhalte fördern Aktivierung und Wohlbefinden. Akustische Maßnahmen und eine geräuscharme Ausstattung tragen zusätzlich zu einer angenehmen Atmosphäre bei.

Pflege braucht Gemeinschaft, aber auch Privatheit. Die persönlichen Zimmer sind in Pflegeeinrichtungen Orte des Rückzugs, der Ruhe und der Vertrautheit im Alltag. Ihre Gestaltung sollte Orientierung und Sicherheit selbstverständlich vermitteln, ohne dabei funktional oder klinisch zu wirken. Klare Strukturen, eindeutig zugeordnete Bereiche und eine durchdachte Möblierung mit gut erkennbare Sitz- und Ablageflächen unterstützen besonders in Zweibettzimmern das Gefühl von Stabilität und Kontrolle. Gleichzeitig spielt Individualität eine zentrale Rolle: Persönliche Gegenstände, vertraute Bilder oder wiederkehrende Gestaltungselemente, z. B. Piktogramme oder Naturmotive, fördern die Identifikation mit dem eigenen Raum. Flexible Lösungen wie integrierte Faltwände können Privatsphäre gewährleisten. So kann das eigene Zimmer zu einem geschützten Rückzugsort werden, der den Alltag erleichtert und Geborgenheit vermittelt.

Durchdachte Innenarchitektur für den Pflegealltag

Gute Innenarchitektur denkt in Pflegeeinrichtungen immer auch an die Mitarbeitenden. Eine funktional und übersichtlich geplante Innenarchitektur unterstützt effiziente Abläufe und konzentriertes Arbeiten im Pflegealltag. Klar strukturierte Stützpunkte, ergonomische Arbeitsplätze sowie ruhige Bereiche für Dokumentation und Besprechungen sowie Pausenräume helfen, Belastungen zu reduzieren. Gut gestaltete Räume für Pflegepersonal schaffen damit eine wichtige Grundlage für verlässliche Pflege und langfristige Arbeitszufriedenheit.

Innenarchitektur als Schlüssel zu Lebensqualität und funktionalem Pflegealltag

Gut geplante Innenarchitektur leistet in Pflegeeinrichtungen einen entscheidenden Beitrag zur Lebensqualität der Bewohnenden und zur Entlastung des Pflegepersonals. Farben, Licht, Materialien und Raumstrukturen wirken zusammen, um Orientierung, Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln, Selbstständigkeit zu fördern und Ängste zu reduzieren. Gleichzeitig unterstützen funktionale und übersichtliche Arbeitsbereiche effiziente Abläufe und ein gesundes Arbeitsumfeld. Innenarchitektur wird damit zu einem zentralen Baustein zukunftsfähiger Pflegeeinrichtungen.

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