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04/02/2026

Lesezeit 5min

Gina Borchert

Gina Borchert

Marketing & Kommunikation

GIS-Daten und kritische Infrastruktur: Digitale Lagekarten im Bevölkerungsschutz

Wenn Krisen eintreten, zählt jede Sekunde – besonders im Umgang mit kritischer Infrastruktur. Digitale Lagekarten und GIS-Daten (Geoinformationssysteme) liefern bereits in der frühen Phase entscheidende Informationen, lange bevor Einsatzkräfte vor Ort sind. Sie ermöglichen es Behörden und Organisationen, Risiken zu bewerten, Ressourcen zu steuern und fundierte Entscheidungen zu treffen.

GIS-gestützte Daten bilden damit eine zentrale Grundlage für einen modernen Bevölkerungsschutz. Ingenieurbüros erfassen, analysieren und visualisieren diese Informationen, sodass sie in Krisensituationen schnell, präzise und situationsgerecht genutzt werden können.

Im Interview spricht Enes Derin, Experte für Geoinformationssysteme bei Sweco, darüber, welche Rolle GIS-Daten und digitale Lagekarten im Bevölkerungsschutz spielen, welche Herausforderungen bestehen und wie digitale Lösungen die Resilienz kritischer Infrastrukturen stärken können.

 

GIS-Daten als Grundlage für Bevölkerungsschutz und kritische Infrastruktur

Hallo Enes, beim Bevölkerungsschutz denkt man oft an Einsatzkräfte vor Ort. Aber wie wichtig sind eigentlich belastbare (GIS-)Daten und digitale Karten für den Schutz kritischer Infrastruktur und die Arbeit hinter den Kulissen?

(GIS)-Daten sind die Grundlage für fundierte Entscheidungen im Bevölkerungsschutz. Sie helfen, Risiken zu erkennen, Szenarien zu simulieren und präventive Maßnahmen zu planen. In Projekten wie dem EU-Projekt CREXDATA konnte ich erleben, wie die Kombination aus Echtzeit-Wetterdaten, lokalen Ereignisberichten und Sensordaten ein präzises Lagebild ermöglicht. Solche Daten bilden die Basis dafür, dass Einsatzkräfte vor Ort und Entscheidungsträger*innen im Stabsraum koordiniert und effizient handeln können.

In welchen herausfordernden Situationen können digitale Karten und GIS-Daten zum Einsatz kommen?

Digitale Karten sind besonders wertvoll bei Hochwasser, Starkregen oder weiteren komplexen Großschadenslagen. Sie helfen, die betroffene Infrastruktur zu identifizieren, Prioritäten zu setzen und Handlungsoptionen zu visualisieren. Auch die Analyse von Abhängigkeiten zwischen kritischen Infrastrukturen wie Energieversorgung, Verkehrswegen und Kommunikationsnetzen können durch GIS unterstützt werden.

Welche Rolle spielen Ingenieurbüros bei der Erhebung, Strukturierung und Vereinheitlichung von Infrastrukturdaten?

Ingenieurbüros strukturieren heterogene Daten aus unterschiedlichsten Quellen und stellen sie in einheitlichen, nutzbaren Formaten bereit. Sie sorgen dafür, dass Datenqualität, Standardisierung und Interoperabilität gewährleistet sind. Eine zentrale Voraussetzung für belastbare Analysen und Lagebilder.

Was ist GIS?

GIS steht für Geoinformationssysteme oder auch Geographische Informationssysteme und ist eine Technologie zur Erfassung, Analyse und Darstellung räumlicher Daten. Es ermöglicht die Integration und Visualisierung von geografischen Informationen und unterstützt die Entscheidungsfindung in Bereichen wie Stadtplanung, Umweltmanagement und Verkehrssteuerung. Mit GIS können komplexe räumliche Zusammenhänge leicht verständlich gemacht werden. In der modernen Welt ist GIS unverzichtbar für viele Branchen und trägt entscheidend zur Lösungsfindung für globale Herausforderungen bei.

Analyse von Geodaten: Risiken erkennen und Entscheidungen vorbereiten

Wie entwickeln Ingenieurbüros aus Rohdaten fachlich fundierte Bewertungslogiken und aussagekräftige Analysen für Krisensituationen?

Rohdaten werden durch fachliche Modelle, Bewertungslogiken und GIS-gestützte Analysen in aussagekräftige Informationen verwandelt. Dabei werden Zusammenhänge zwischen verschiedenen Datenquellen identifiziert, relevante Indikatoren definiert und Risikobereiche priorisiert. So lassen sich Risiken erkennen, Handlungsoptionen ableiten und gezielte Maßnahmen planen, die Entscheidungsträger*innen eine fundierte Basis für schnelle und effektive Entscheidungen bieten.

Wie wichtig sind Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Datenquellen, um flexible und situationsgerechte Lagebewertungen zu ermöglichen?

Solche Schnittstellen sind sehr wichtig. Nur durch die Integration von unterschiedlichen Daten wie bspw. Sensordaten, Wettervorhersagen, GIS-Daten und anderen Quellen entsteht ein vollständiges Lagebild. Schnittstellen ermöglichen es, Daten dynamisch zu kombinieren und flexibel auf neue Informationen oder Veränderungen der Lage zu reagieren.

Digitale Lagekarten: Komplexe Daten verständlich visualisieren

Wie helfen GIS-gestützte Lagekarten und Dashboards Entscheidungsträgern dabei, Situationen schnell zu erfassen und die richtigen Schlüsse zu ziehen?

GIS-Lagekarten und Dashboards reduzieren komplexe Daten auf eine übersichtliche, visuelle Darstellung. Sie machen Risiken, Handlungsoptionen und Abhängigkeiten sofort erkennbar und unterstützen dabei, schnelle, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Was ist der Unterschied zwischen statischen Karten für die Planung und dynamischen Karten für den akuten Einsatz?

Statische Karten dienen der strategischen Analyse und langfristigen Planung. Dynamische Karten hingegen integrieren Echtzeitdaten, Simulationsergebnisse und Vorhersagen, wodurch sie für akute Einsätze unverzichtbar sind, z. B. um Hochwasserentwicklungen in Echtzeit zu verfolgen.

GIS in der Praxis: Anwendungsbeispiele und Zukunftsperspektiven

Kannst du ein Beispiel nennen, wie GIS-Lösungen in Krisensituationen genutzt wurden, z. B. zum Schutz kritischer Infrastruktur?

Konkrete Beispiele für den Einsatz von GIS-Lösungen in Krisensituationen kenne ich insbesondere aus meiner vorherigen Tätigkeit im Rahmen des Forschungsprojekts CREXDATA. Zum Schutz kritischer Infrastrukturen wurden dort Geodaten, hydrologische Simulationen und KI-gestützte Prognosemodelle miteinander kombiniert, um dynamische, zeitabhängige Lageinformationen bereitzustellen.

Bei Sweco liegen die bisherigen Erfahrungen im Bereich GIS insbesondere in der Erstellung statischer Überschwemmungskarten, die eine zentrale Grundlage für Risikoanalysen, Planung und Vorsorge darstellen.

Welche Entwicklungen erwartest du in den nächsten Jahren für digitale Lagekarten im Bevölkerungsschutz?

Ich erwarte eine stärkere Integration von Echtzeitdaten, Simulationen und KI-gestützten Prognosen. Mobile Sensorik, digitale Zwillinge und cloudbasierte Plattformen werden Lagebilder dynamischer machen und proaktive Entscheidungen ermöglichen.

Möchtest du zum Schluss noch irgendetwas ergänzen?

Eine enge Zusammenarbeit von Einsatzkräften, Behörden, Forschungseinrichtungen und Ingenieurbüros bleibt entscheidend. Nur durch die Kombination von technischem Know-how, praktischer Erfahrung und datenbasierten Tools lassen sich wirksame Lösungen für den Bevölkerungsschutz entwickeln.

Vielen Dank für die interessanten Einblicke!

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