
Zukunftsbeitrag Wasser, Bürgewald – Wasserinfrastruktur für das Dorf der Zukunft
Bürgewald: vom Braunkohledorf zum Ort der Zukunft
Das ehemals von Braunkohle geprägte Dorf Morschenich-Alt wird unter dem neuen Namen Bürgewald wiederbelebt und zu einem zukunftsorientierten Ort im Rheinischen Revier umgestaltet. Morschenich-Alt wurde aufgrund des Tagebaus Hambach vom Energieversorger RWE gekauft und die Bewohner*innen umgesiedelt. Infolge des Kohleausstiegs konnte die Gemeinde das Dorf 2024 zurückkaufen. Das bietet die einzigartige Gelegenheit, eine zukunftsgerechte Dorfplanung und innovative Konzepte umzusetzen. Ziel ist es, die geschichtsträchtige Gemeinde in eine nachhaltige Zukunft zu führen und ein lebendiges Umfeld für ehemalige Bewohner*innen sowie Neubürger*innen zu schaffen.
Bürgewald ist eines von sechs früheren Braunkohledörfern im Rheinischen Revier, die im Rahmen des vorzeitigen Kohleausstiegs 2030 erhalten bleiben. Außerdem ist Bürgewald eines der zehn Startprojekte der Internationalen Bau- und Technologieausstellung (IBTA), die von 2025 bis 2035 im Rheinischen Revier stattfindet.
Weiterlesen: Blog: Strukturwandel im Rheinischen Revier
Fachplanerische Begleitung von Zukunftswerkstätten und Masterplan
Für die Gemeinde Merzenich hat Sweco ein fachplanerisches Zukunftsbild sowie die technische und wirtschaftliche Konzeption der Wasserinfrastruktur für das Dorf der Zukunft Bürgewald erarbeitet. Die Konzepte bauen auf den Ergebnissen der Zukunftswerkstätten auf, die im Januar und Februar 2024 stattfanden. Die geplante Entwicklung in Bürgewald konzentriert sich auf eine klimaschützende, flächensparende und ressourcenschonende Bauweise.
Unsere Leistungen im Überblick:
- Fachplanerischer Innovations-Input zu Wasser(-wirtschaft) und grün-blauer Infrastruktur für die Zukunftswerkstatt 1 sowie darauf aufbauend die fachplanerische Aufbereitung und Vorstellung der Ergebnisse für die Zukunftswerkstatt 2
- Ausarbeitung des Zukunftsbeitrags Wasser(-wirtschaft) und grün-blaue Infrastruktur aus den Ergebnissen der Zukunftswerkstätten als Baustein des Zukunftsbildes für Bürgewald als „Dorf der Zukunft“
- Fachliche Begleitung der Erstellung des dynamischen Masterplans
- Definition von Szenarien und Durchführung einer Marktrecherche
- Abschätzung von Kosten und Randbedingungen
- Vorstellung der Ergebnisse
Zukunftswerkstätten als Experimentierfläche
Zukunftswerkstätten als Experimentierfläche
Die Zukunftswerkstätten Bürgewald stehen für einen innovativen Ansatz zur Gestaltung einer nachhaltigen und umweltbewussten Zukunft. Neben dem Strukturwandel in der Region prägen der Klimawandel, der Verlust der Biodiversität und die Energiewende die Aufgabe. Die Werkstätten waren eine Plattform, um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten und die Entwicklung nachhaltiger Lebensräume voranzutreiben. Sie zeigten, dass durch die Bündelung von Expertise eine Bewegung entstehen kann, die weit über Bürgewald hinaus Veränderungen anstößt.

Vier Leitziele für den Umgang mit Wasser
Unser ideales Zukunftsbild für den Umgang mit der Ressource Wasser basiert auf vier wesentlichen Leitzielen:
- Herstellung naturnaher Wasserkreisläufe
- Netto-Null-Versiegelung
- multifunktionale Nutzung der Ressource Wasser (in Bezug auf die enthaltenen Nährstoffe, den Energieinhalt und das Wasser selbst)
- wassersensible Dorfentwicklung
Um leistungsfähige Neuerungen zu implementieren, sind sowohl umfangreiche technische, rechtliche und wirtschaftliche Kenntnisse als auch kreative und partizipationsfördernde Arbeitsweisen erforderlich. Gemeinsam mit dem ISCE | Institute of Smart City Engineering der Fachhochschule Aachen sowie dem FiW (Forschungsinstitut für Wasserwirtschaft und Klimazukunft an der RWTH Aachen e. V.) tragen unsere Planungen dazu bei, Bürgewald durch zukunftsweisende Lösungen effizient (multifunktional), technologisch fortschrittlich und klimafreundlich zu gestalten. Dabei setzt das Konzept auf modulare, flexible, technisch bewährte und gesellschaftlich akzeptierte Technologien.
„Wir freuen uns, Teil dieses zukunftsweisenden Projekts zu sein und unsere Expertise in der nachhaltigen Dorf- und Infrastrukturplanung für die Wasserwirtschaft einzubringen. Bürgewald hat das Potenzial, ein Vorbild für den Strukturwandel ehemaliger Braunkohleregionen zu werden. Unser Ziel war es, einen Ort der Zukunft mitzugestalten, der sowohl den Bedürfnissen heutiger Generationen gerecht wird als auch künftige Herausforderungen meistern kann. Dafür haben wir eine Strategie für eine wassersensible Dorfentwicklung erarbeitet, die die multifunktionale Nutzung der Ressource Wasser ebenso einbezieht wie die Herstellung naturnaher Wasserkreisläufe. Wir wollen das Wasser in Bürgewald sichtbar und erlebbar machen und einen ausgeglicheneren Wasserhaushalt erreichen, um die Lebensqualität und die ökologischen Bedingungen vor Ort zu verbessern.“
Susanne Tettinger, Projektleiterin bei Sweco in Köln
Was wassersensible Dorfentwicklung bedeutet
Struktur- und Klimawandel wirken sich besonders stark auf den Transformations- und Anpassungsbedarf wasserwirtschaftlicher Infrastrukturen aus. Wassersensible Planung setzt deshalb früh an: Regenwasser soll möglichst vor Ort versickern, verdunsten oder gespeichert werden, statt schnell abgeleitet zu werden. So entstehen naturnähere Wasserkreisläufe, die Hitze und Trockenheit abmildern und bei Starkregen entlasten.
Netto-Null-Versiegelung bedeutet, dass neu versiegelte Flächen an anderer Stelle wieder entsiegelt werden. Die multifunktionale Nutzung betrachtet Wasser nicht nur als Abwasser, sondern als Quelle für Nährstoffe und Energie. Deshalb denken wir Regenwasserbewirtschaftung, Starkregenvorsorge und Abwasserbehandlung zusammen und verbinden sie mit der Siedlungsplanung.








