Skip to content

13/05/2026

Lesezeit 7min

Susanne Tettinger

Susanne Tettinger

Country Project Leader Urban Insight

Wie wir unsere Wassersysteme sichern können

Europas Wasserressourcen stehen unter zunehmendem Druck. Sweco stellt im neuen Urban Insight Bericht sechs konkrete Maßnahmen und Fallstudien zu bewährten Verfahren vor, die aufzeigen, wie Europa seine Wassersysteme stärken kann, um Herausforderungen wie Überschwemmungen, Wasserknappheit und Verschmutzung zu bewältigen.

Der Zugang zu sauberem, sicherem Wasser wurde auf dem gesamten Kontinent lange Zeit als selbstverständlich angesehen. Den Wasserhahn aufzudrehen und hochwertiges Wasser zu erhalten, war ein Eckpfeiler der öffentlichen Gesundheit, der wirtschaftlichen Entwicklung und der sozialen Stabilität. Jahrzehntelang gehörte die Wasserversorgung Europas zu den großen Infrastrukturerfolgen des Kontinents. Heute wird diese Selbstverständlichkeit zunehmend in Frage gestellt.

Die Europäische Umweltagentur (EEA) berichtet, dass 32 % des Grundwassers in Europa durch diffuse Verschmutzung belastet sind.

Der Klimawandel, eine alternde Infrastruktur, steigende Nachfrage und Schadstoffe wie Arzneimittel und PFAS – die sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ – setzen Trinkwasser- und Abwassersysteme unter beispiellosen Druck.

Warum “Von der Quelle bis zum Wasserhahn – und zurück in die Natur“ so wichtig ist

Anhaltende Dürren, rekordverdächtige Hitzewellen und sich verändernde Niederschlagsmuster lassen Wasserknappheit von einer Ausnahme zu wiederkehrender Realität werden. Während Überschwemmungen die Schlagzeilen beherrschen, bahnt sich eine stille Krise der Wasserknappheit an. Jährlich sind rund 20 % der Fläche Europas und 30 % der Bevölkerung von Wasserstress betroffen.

Rund 65 % des Trinkwassers in Europa stammen aus Grundwasser. In mehreren Ländern steht diese Ressource durch den Einsatz von Pestiziden, Nitratbelastung und unzureichenden Schutz der Grundwasserneubildungsgebiete unter zunehmendem Druck. Gleichzeitig wurden in den meisten Gewässern mittlerweile neu auftretende Mikroverunreinigungen – darunter PFAS, Arzneimittel und Industriechemikalien – nachgewiesen, deren Entfernung schwierig und kostspielig ist.

Infolgedessen erreichen derzeit nur wenige der europäischen Oberflächengewässer und Grundwasserkörper einen guten ökologischen oder chemischen Zustand, was das Ausmaß der Verschmutzungsproblematik unterstreicht.

6 %

Kostenanstieg für die häusliche Wasserversorgung bei Einbeziehung einer fortgeschrittenen Abwasserbehandlung

32 %

des Grundwassers in Europa sind durch diffuse Verschmutzung gefährdet

65 %

des Trinkwassers in Europa stammen aus Grundwasser

Wasserkosten und Investitionslücken – steigende Kosten für die Wasseraufbereitung

In ganz Europa weisen der Wasserverbrauch der Haushalte und die Wasserpreise große Diskrepanzen auf, was auf Unterschiede in der Infrastruktur, den Verbrauchsgewohnheiten und der lokalen Politik zurückzuführen ist.

Der durchschnittliche Verbrauch pro Haushalt liegt bei 125 Litern pro Person und Tag. Die Wasserpreise reichen von etwa 1,20 € pro Kubikmeter in Bulgarien bis zu 9,30 € in Dänemark, wobei der europäische Durchschnitt bei rund 3,60 € pro Kubikmeter liegt.

Trotz dieser Unterschiede sind die Investitionen in Wassereffizienz und Infrastruktur nach wie vor unzureichend, insbesondere in Ländern mit niedrigeren Tarifen.

Swecos Analyse zeigt, dass die aktuellen Wasserpreise in vielen Ländern nur einen Bruchteil der langfristigen Kosten decken, die für die Erneuerung der Infrastruktur, die Anpassung an den Klimawandel und die fortgeschrittene Behandlung von Mikroverunreinigungen erforderlich sind.

Laut Sweco könnte die Einführung der quartären Behandlung als Teil der fortgeschrittenen Abwasserbehandlung die Wasserkosten für Haushalte um etwa 6 % erhöhen, während weiterreichende ökologische und gesellschaftliche Auswirkungen weitgehend unberücksichtigt bleiben.

„Die wirklichen Kosten von Wasser gehen weit über die Wasserrechnung hinaus. Sie umfassen wirtschaftliche, ökologische, soziale und klimabezogene Kosten, die von der Gesellschaft und der Natur getragen werden“, sagt Mattias Salomonsson, Wasserexperte bei Sweco

Sechs zentrale Maßnahmen für mehr Wasserresilienz

Es ist unerlässlich, die tatsächlichen, langfristigen Kosten von Wasser anzuerkennen – nicht, um es teurer zu machen, sondern um robuste, widerstandsfähige Systeme zu gewährleisten, die über Generationen hinweg sicheres Wasser liefern können. Swecos Expert*innen heben sowohl konkrete Projekte als auch die folgenden sechs empfohlenen Maßnahmen hervor:

  1. Wasserrisikobewertungen zur Standardanforderung machen – für Raumordnungspläne, Genehmigungen, Infrastrukturprojekte und Finanzierungsentscheidungen.
  2. Kommunale Wasserstrategien mit klaren Risikoanalysen für Trinkwasser, Abwasser, Regenwasser und Hochwasser samt Notfallplänen entwickeln.
  3. Sanierung alternder Infrastruktur planen und finanzieren – dabei kritische Anlagen priorisieren und langfristige Budgets für die PFAS-Behandlung und Systemmodernisierungen sichern.
  4. Regelmäßige Wasserrisiko- und Resilienzbewertungen durchführen – dabei Instandhaltung und Investitionen mit der Risikoanalyse verknüpfen und Wasserverluste reduzieren.
  5. Wasserrisiken in Kredit-, Investitions- und Versicherungsentscheidungen einbeziehen – dabei sicherstellen, dass wasserintensive Sektoren und Kommunen auf aufgeschobene Instandhaltungsmaßnahmen sowie die Gefährdung durch Dürren oder Hochwasser Rücksicht nehmen.
  6. Landnutzungsplanung und naturbasierte Lösungen zur Risikominderung nutzen – dabei Grundwasserneubildungsgebiete schützen, risikoreiche Bebauungen vermeiden und städtische Räume schaffen, die Wasser speichern und versickern lassen.

Wasserprojekte in der Praxis: Sanierung europäischer Wassersysteme

Die Herausforderungen im europäischen Wassersektor sind real. Die Trink- und Abwassersysteme Europas stehen unter zunehmendem Druck durch Klimaextreme, steigenden Bedarf, Umweltverschmutzung und eine alternde Infrastruktur.

Trotz dieser Herausforderungen gibt es bereits bewährte Lösungen. Kreislaufwirtschaftliche Wassersysteme, fortschrittliche Aufbereitungstechnologien und ein integriertes Wassermanagement stärken die Widerstandsfähigkeit in ganz Europa durch Maßnahmen wie Regenwassernutzung, verbesserte Abwasserbehandlung zur Bekämpfung von Mikroverunreinigungen und die Wiederverwendung von Abwasser.

Der Bericht stellt eine Reihe von Best-Practice-Projekten zur Stärkung der Wassersysteme in ganz Europa vor. Hier sind einige Beispiele:

Kläranlage Balingen, Deutschland – Strom aus Abwasser

Ein überzeugendes Beispiel, um bei der Abwasseraufbereitung Energieneutralität oder sogar Autarkie zu erreichen, ist die Kläranlage in Balingen. Die Anlage nutzt Energierückgewinnung und -erzeugung, darunter die Elektrifizierung von Faulgas, Photovoltaikmodule und solare Schlammtrocknung. Sogar der Höhenunterschied zwischen der Einleitungsstelle und dem aufnehmenden Gewässer wird durch eine kleine Wasserturbine genutzt. Sweco berät den Betreiber seit Jahren und prüft derzeit weitere Optionen zur Optimierung der Energiebilanz, wie den Ausbau der Photovoltaikkapazität oder die Nutzung von Abwasserwärme durch eine Wärmepumpe.

Waterbank Agriport, Niederlande – Kreislaufwirtschaftliche Regenwasserspeicherung

Ein innovatives System, das Regenwasser von Gewächshausdächern und Rechenzentren unterirdisch für Bewässerungs- und Kühlzwecke speichert und so die Abhängigkeit von Trinkwasser verringert.

Kreislaufbasierte Regenwasserspeicherung für Dürreresilienz und reduzierten Trinkwasserverbrauch. Am Agriport A7 in Middenmeer, Niederlande, haben ECW Energy und Sweco die Waterbank Agriport entwickelt, ein innovatives System zur Regenwassersammlung, -speicherung und -rückgewinnung, das die Dürreresilienz stärkt, den Trinkwasserbedarf senkt und die Geschäftskontinuität sicherstellt.

Rechenzentren liefern durch Dachabfluss große Mengen an hochwertigem Regenwasser und benötigen eine zuverlässige Kühlwasserversorgung, während Gewächshausbetreiber in Trockenperioden erhebliche Mengen Wasser für die Bewässerung benötigen. Durch die Verknüpfung komplementärer Wasserbedarfe und -vorräte schafft die Waterbank ein lokales zirkuläres Wassersystem, das die Abhängigkeit von Trinkwasser verringert.

Kläranlage Aartselaar, Flandern, Belgien – Quartäre Behandlung von Mikroverunreinigungen

Eine Anlage im Vollmaßstab, die Arzneimittel, Pestizide, hormonstörende Substanzen und PFAS aus dem Abwasser entfernt, wodurch eine künftige Wasserwiederverwendung ermöglicht und die lokale Wasserqualität verbessert wird.

Flandern hat seine erste vollwertige Anlage zur quartären Behandlung in Betrieb genommen, was einen Durchbruch bei der Entfernung persistenter Schadstoffe wie Arzneimittel, Pestizide, hormonstörender Substanzen und PFAS aus dem Abwasser darstellt. In der Kläranlage von Aquafin in Aartselaar kombiniert die neue Anlage Scheibenfiltration, Hochleistungs-Ozonung und Granulat-Aktivkohlefiltration, um bis zu 1.200 m³ Abwasser pro Stunde zu behandeln. (Bild: Frederik Beyens – Aquafin).

Das Projekt verbessert die lokale Wasserqualität – insbesondere im Grote Struisbeek – und liefert wichtige Erkenntnisse für zukünftige Anwendungen in ganz Flandern und darüber hinaus. Dieses Abwasser höherer Qualität ebnet zudem den Weg für umfassendere Möglichkeiten der Wasserwiederverwendung in der Zukunft.

Gemeinsam mit Kunden und Partnern trägt Sweco zur Planung und Gestaltung widerstandsfähiger Wassersysteme bei und nutzt dabei innovative Lösungen in den Bereichen Aufbereitung, Wiederverwendung und Kreislaufwirtschaft, um die Wasserversorgung, Ökosysteme und die öffentliche Gesundheit zu schützen.

Was ist erforderlich, um widerstandsfähige Wassersysteme für Menschen, Natur und künftige Generationen zu sichern?

Lesen Sie den aktuellen Urban-Insight-Bericht, um Ansätze für sauberes Wasser und widerstandsfähige Wassersysteme in ganz Europa zu entdecken.

Nicht gefunden, was Sie suchen?

Hinterlassen Sie hier Ihre Daten – unsere Expert*innen helfen Ihnen gern weiter. Wir sorgen dafür, dass Sie mit der richtigen Person in Kontakt kommen. Vielen Dank!
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.