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Kläranlage Nesselwörth in Bietigheim-Bissingen bei Nacht

Mikroschadstoffelimination

Mikroschadstoffe sind Stoffe anthropogenen Ursprungs, die im Wasserkreislauf in sehr geringen Konzentrationen von wenigen Nanogramm bis wenigen Mikrogramm pro Liter vorkommen – vereinfacht gesagt weniger als ein Tropfen Tinte in einem Freibad. Dazu gehören unter anderem Arzneimittelrückstände, Schwermetalle, Pestizide sowie Chemikalien aus Haushalt, Gewerbe und Industrie.

Viele dieser Stoffe können sich negativ auf Mensch und Umwelt auswirken. Die konventionelle mechanisch-biologische Abwasserreinigung kann Mikroschadstoffe nicht in ausreichendem Maße entfernen. Daher wurden Verfahren zur sogenannten 4. Reinigungsstufe entwickelt, die eine gezielte Elimination dieser Stoffe ermöglichen.

Welche Verfahren zur 4. Reinigungsstufe gibt es?

Die bisher umgesetzten Anlagen der 4. Reinigungsstufe setzen im Wesentlichen entweder auf Oxidation mittels Ozon oder auf Adsorption mittels Aktivkohle.

Bei Ozonanlagen wird gasförmiges Ozon dem gereinigten Abwasser zugeführt und reagiert dort chemisch mit den Mikroschadstoffen (Spurenstoffen). Voraussetzung für eine effiziente Ozonierung ist eine geringe organische Hintergrundbelastung (DOC). Aufgrund der geringen Stabilität von Ozon muss dieses vor Ort erzeugt werden. Da die Bildung von Transformationsprodukten infolge der chemischen Reaktionen nicht ausgeschlossen werden kann, wird eine biologische Nachbehandlung, beispielsweise in Form eines Sandfilters, empfohlen.

Bei Aktivkohleanlagen finden hingegen keine chemischen, sondern physikalische Adsorptionsprozesse statt. Als Rohmaterial für die Aktivkohle werden häufig organische Stoffe wie Stein- und Braunkohle, Holz oder Kokosnussschalen verwendet. Das Material wird so aufbereitet, dass eine Vielzahl kleiner Poren und damit eine große spezifische Oberfläche entsteht. An dieser Oberfläche können sich Mikroschadstoffe anlagern – vergleichbar mit einem Schwamm, der Wasser aufnimmt.

Bei Aktivkohle wird zwischen Pulveraktivkohle (PAK) und granulierter Aktivkohle (GAK) unterschieden. PAK wird dem Abwasser zugemischt, beispielsweise im Belebungsbecken, und muss anschließend wieder aus dem Wasser entfernt werden. Übliche Trennverfahren sind die Filtration über Tuch- oder Polstofffilter sowie die Sedimentation in separaten Becken.

GAK besteht aus größeren Aktivkohlepartikeln und wird als Festbett, Wanderbett oder Wirbelschicht in gesonderten Filterkammern oder Kesseln eingesetzt. Das Abwasser durchströmt dabei die Aktivkohleschicht. In beiden Verfahren muss die Aktivkohle ausgetauscht bzw. regeneriert werden, sobald ihre maximale Beladungskapazität erreicht ist.

Welche Variante – PAK oder GAK – für eine Anlage vorteilhafter ist, hängt von den jeweiligen lokalen und technischen Gegebenheiten ab.

Ozonanlage auf der Kläranlage Friedrichshafen: Links der Sauerstofftank und die Kondensatoren zur Ozonproduktion, rechts die Kontaktbecken

Ozonungsanlagen

Ozonanlage auf der Kläranlage Friedrichshafen: Links der Sauerstofftank und die Kondensatoren zur Ozonproduktion, rechts die Kontaktbecken

PAK-Anlage auf dem Hauptklärwerk Stuttgart Mühlhausen: Aufstellung des PAK-Silos zur Direktdosierung in die Belebungsbecken.

PAK-Anlagen (Pulveraktivkohle)

PAK-Anlage auf dem Hauptklärwerk Stuttgart Mühlhausen: Aufstellung des PAK-Silos zur Direktdosierung in die Belebungsbecken.

GAK-Filter auf der Verbandskläranlage Immendingen-Geisingen: 6 Filterkammern zwischen 2 Maschinengebäuden

GAK-Anlagen (granulierte Aktivkohle)

GAK-Filter auf der Verbandskläranlage Immendingen-Geisingen: 6 Filterkammern zwischen 2 Maschinengebäuden

Ist eine 4. Reinigungsstufe verpflichtend?

Ist eine 4. Reinigungsstufe verpflichtend?

Die EU-Kommunalabwasserrichtlinie (Richtlinie (EU) 2024/3019) ist am 1. Januar 2025 in Kraft getreten. Sie stellt neue Anforderungen an die Sammlung und Behandlung von kommunalem Abwasser, einschließlich der Überwachung und neuer Grenzwerte.

Für Kläranlagen ab 150.000 Einwohnerwerten (EW) schreibt die Richtlinie eine 4. Reinigungsstufe zur Elimination von Mikroschadstoffen verbindlich vor, die schrittweise bis 2045 umzusetzen ist. Anlagen zwischen 10.000 und 150.000 EW sind betroffen, wenn sie in Gebiete einleiten, in denen eine Risikobewertung dies erforderlich macht. Die Vorgaben werden in nationales Recht umgesetzt. Sweco berät Kläranlagenbetreiber, welche Anforderungen auf ihre Anlage zukommen und wie sie sich frühzeitig darauf vorbereiten.

Kläranlage Balingen Ozonungsanlage Spurenstoffelimination

Internationale Erfahrung, lokal angepasst

In Europa sind Deutschland und die Schweiz federführend bei der Umsetzung der 4. Reinigungsstufe auf Kläranlagen. Sweco war an der Planung von 10 der über 60 in Deutschland in Betrieb befindlichen Anlagen beteiligt und verfügt dadurch über umfassende und langjährige Expertise in der Planung und im Bau von 4. Reinigungsstufen zur Mikroschadstoffelimination. Eine Auswahl unserer Planungsprojekte finden Sie am Ende der Seite.

Unsere Leistungen

Bedarfsanalyse / Beratung

  • Fachexpertise zu Mikroschadstoffen
  • Bestandsaufnahme
  • Datenanalyse
  • Klärtechnische Berechnungen
  • Dynamische Simulationen
  • Vorauswahl der bestmöglichen Strategie für die Gesamtanlage (Kosten, Energie, Reinigungsleistung)
  • Betreuung von Pilotanlagen

Planung / Ausführung

Planung aller Teile von Abwasserbehandlungsanlagen über alle Leistungsphasen, von Grundlagenermittlung bis Inbetriebnahme

Fachübergreifende Zusammenarbeit

  • Genehmigungsverfahren
  • Elektro- und Leittechnik
  • Energietechnik
  • Projektsteuerung und -abwicklung
  • Vermessung

Sie haben Fragen zur Mikroschadstoffelimination oder wollen ein Projekt mit uns umsetzen? Kontaktieren Sie uns!

Dr. Demet Antakyali

Dr. Demet Antakyali

Mikroschadstoffelimination & Wasserstoffinfrastruktur

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