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31/03/2026

Lesezeit 4min

Josef Ochs

Planung Tunnelbau Frankfurt

Yara Salloum

Planung Tunnelbau Frankfurt

Tunnel gelten als kritische Infrastruktur, weil ihr Ausfall massive Auswirkungen auf Verkehr, Wirtschaft und Versorgungssicherheit haben kann. Besonders im Straßen- und Schienenverkehr sind sie oft unverzichtbare Engpässe ohne Ausweichmöglichkeiten. Doch welche spezifischen Risiken bestehen in Tunneln? Welche Sicherheitskonzepte gibt es und wie werden sie geschützt?

Aufgrund ihrer geografisch bedingten Bündelungs- und Engpassfunktion stellen Tunnel häufig unverzichtbare Bestandteile überregionaler Verkehrsachsen dar. Sperrungen oder Schäden führen nicht nur zu erheblichen Verkehrsbehinderungen, sondern können auch Kaskadeneffekte auf andere Infrastrukturbereiche auslösen.

Warum gehören Tunnel zur kritischen Infrastruktur?

Kritische Infrastrukturen werden allgemein als Einrichtungen definiert, deren Beeinträchtigung nachhaltige Versorgungsengpässe oder erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit verursachen würde. Tunnel und Brücken werden in diesem Zusammenhang ausdrücklich als besonders kritische Verkehrsbauwerke eingestuft. Ihre Systemrelevanz ergibt sich aus dem hohen Verkehrsaufkommen, fehlenden Umfahrungsmöglichkeiten sowie der engen Verknüpfung mit Wirtschafts- und Logistikketten.

Wie schützt man Tunnel? Konzepte für mehr Sicherheit unter der Erde

Bauliche Maßnahmen zum Schutz von Tunneln:

  • feuerbeständige Auskleidungen
  • Brandabschnitte
  • redundante Rettungswege
  • Querschläge
  • sichere Betriebsräume

Technische Systeme in Tunneln:

  • Brand- und Rauchdetektion
  • Lüftungsanlagen
  • Videoüberwachung
  • Verkehrssteuerung
  • Notbeleuchtung
  • redundante Energie- und Kommunikationsversorgung

Organisatorische Maßnahmen für Sicherheitskonzepte in Tunneln:

  • Notfallpläne
  • regelmäßige Übungen
  • Risikoanalysen
  • abgestimmte Einsatzkonzepte mit Feuerwehr und Rettungsdiensten
Stuttgart 21, PFA 1.5

Moderne Schutzkonzepte für Tunnel basieren auf einem integrierten Ansatz aus baulichen, technischen und organisatorischen Maßnahmen. Eine zentrale Rolle im Notfallmanagement spielt die Tunnelleitzentrale als Schnittstelle zwischen Technik, Betrieb und Einsatzkräften. Sie überwacht den Normalbetrieb, erkennt Störungen frühzeitig und koordiniert im Ereignisfall automatisierte und manuelle Maßnahmen. Aufgrund ihrer Bedeutung werden Leitzentralen selbst als kritische IT-Systeme betrachtet und unterliegen hohen Anforderungen an Cyber- und Informationssicherheit, unter anderem nach IT-Grundschutz und internationalen Normen.

Welche gesetzlichen Vorgaben gelten für Tunnel?

Der rechtliche Rahmen für den Schutz kritischer Tunnelinfrastruktur wird auf europäischer und nationaler Ebene kontinuierlich weiterentwickelt. Die EU-Richtlinie zur Resilienz kritischer Einrichtungen (CER-Richtlinie) formuliert Anforderungen an die physische Widerstandsfähigkeit von Betreibern kritischer Infrastrukturen, einschließlich des Verkehrssektors. In Deutschland sollen diese Vorgaben durch das KRITIS-Dachgesetz sektorübergreifend konkretisiert werden.

Warum wird Resilienz für Tunnel immer wichtiger?

In den vergangenen Jahren hat sich der Fokus von der reinen Personensicherheit hin zu einem ganzheitlichen Resilienzverständnis erweitert. Resilienz beschreibt die Fähigkeit eines Tunnels, Störungen zu widerstehen, ihre Auswirkungen zu begrenzen und die volle Funktionsfähigkeit möglichst schnell wiederherzustellen. Verfügbarkeit, Redundanz und Wiederanlaufzeiten werden damit gleichrangig zu klassischen Sicherheitszielen betrachtet.

Aktuelle Forschungsprojekte und internationale Leitfäden verfolgen daher einen Mehrgefahrenansatz, bei dem Unfälle, Naturgefahren, technische Störungen und Cyberrisiken gemeinsam betrachtet werden. Daten- und modellgestützte Risikoanalysen sowie resilienzorientierte Planungs- und Betriebsstrategien unterstützen fundierte Entscheidungen über Ausrüstung, Nachrüstung und Instandhaltung.

Hochkomplexe Bauwerke: Tunnel als kritische Infrastruktur

Zusammenfassend sind Straßen- und Bahntunnel hochkomplexe, sicherheitsrelevante Bauwerke mit zentraler Bedeutung für die kritische Infrastruktur. Ihre Planung, ihr Betrieb und ihre Weiterentwicklung erfordern ein integriertes Zusammenspiel aus Technik, Organisation und Management, um Sicherheit, Verfügbarkeit und Resilienz langfristig zu gewährleisten.

Sweco bietet mit der Sweco Monitoring Plattform (SMP) eine Lösung zur Überwachung kritischer Infrastrukturen an. SMP wird von Sweco Niederlande in enger Zusammenarbeit mit Kunden entwickelt. Die Plattform zentralisiert und analysiert Sensordaten mit Visualisierung in Grafiken, GIS-Karten oder BIM-Modellen. Durch eine automatisierte Alarmierung bei Schwellenwertüberschreitungen werden Risiken begrenzt.

Die SMP wurde auch in mehreren grenzüberschreitenden kritischen Infrastrukturprojekten eingesetzt, wie dem Tunnelprojekt in Göteborg und dem Energy Uniper-Projekt in Datteln. In diesen Projekten haben niederländische Kolleg*innen grenzüberschreitend mit Teams aus Schweden und Deutschland zusammengearbeitet.

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